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Donnerstag, 5. Oktober 2017

Heimvorteil


Der Circus Corty Althoff ließ in großem Umfang Souvenir-Postkarten drucken -
darunter einige mit Abbildungen seiner Friedländer-Plakate. 

Grab von Adele Althoff, geb. Corty, im Jahr 2010
Krone in München, Williams bzw. Roncalli in Köln, Sarrasani in Dresden, Blumenfeld in Magdeburg, Busch in Berlin, … – häufig erfreuen sich Circusse in „ihrer“ Stadt besonders großer Beliebtheit. Anfang des 20. Jahrhunderts war das mit dem Circus Corty-Althoff nicht anders: Das in den Jahren vor dem ersten Weltkrieg zu den führenden europäischen Zeltcircussen zählende Unternehmen hatte bis zu seinem inflationsbedingten Ende im Jahr 1927 über ein Vierteljahrhundert sein Winterquartier in Münster, wo es auch alljährlich zu Saisonbeginn seine aktuellen Programme in der "Festhalle" an der Steinfurter Straße präsentierte.
Auf dem Münsteraner Zentralfriedhof findet sich noch das leider dem Verfall anheim gegebene Grab von Adele Althoff (1840-1909), einer Enkelin des bedeutenden französischen Circusprinzipals Louis Dejean. Adele Althoff leitete das Unternehmen nach dem Tod ihres Gatten Dominik Althoff (1841-1887) bis zu Übergabe an ihren Sohn Pierre (1869-1924), der den „Monstre-Zelt-Circus“ mit Stammsitz in Münster zu seiner größten Blüte und internationalem Renommee führte. Pierre heiratete Adele Rossi (1867-1930), die einer alten italienischen Artistenfamilie entstammte und im Circus Corty-Althoff neben ihrem Gatten exquisite Pferdefreiheiten präsentierte. 


Diese und weitere Bildpostkarten wurden eigens von Oskar Merté* für Corty-Althoff gemalt.


* siehe Post "Zubrot"

Dienstag, 19. September 2017

"Glück muss man haben


Eines der Barum-Plakate von Kurt Steinel

und in einen feinen Circus kommen“
Tatsächlich leitete Margarete Kreiser-Barum nicht einen der ganz großen Circusse der Nachkriegszeit, wohl aber bemühte sich die kunstsinnige, einem luxuriösen Lebensstil verpflichtete Prinzipalin und Tierfreundin über Jahre hinweg um besonders geschmackvoll in Szene gesetzte Programme – insbesondere ihrer eigenen Tiernummern.
In diesen Rahmen passt es, dass der Circus um das Jahr 1960 mit vier eigens gestalteten Plakaten des bekannten Grafikers Kurt Steinel warb, die durch ihre künstlerische Qualität deutlich unter der damaligen Circuswerbung hierzulande hervorstachen.
Kurt Steinel hatte wie so viele bildende Künstler ein großes Faible für den Circus, der immer wieder Thema seiner Arbeiten war:

Farblitographie "Die große Dressur" von 1972

Die Nummernfolge in einen Programm  der frühen 1960er Jahre wurde ebenfalls von Kurt Steinel illustriert. 



Dienstag, 1. August 2017

Les Francescos



Die Brüder Enrico (1912-1983), Ernesto (1917-1994) und Francesco (1922-2004) Caroli zählten zu den weltbesten Kunstreitern. Nach dem Krieg trat zunehmend ihre bisherige „Zweitnummer“ in den Vordergrund. Die drei Brüder stiegen rasch in die Riege der besten Clowntrios auf und ihre Konterfeis schmückten über Jahrzehnte Plakate und Programmcover der bedeutendsten Circusse Europas.
Francesco war in seiner Rolle als klassischer Weißclown in den 1990er Jahren noch einmal im Circus Roncalli zu bewundern. 


1949

Freitag, 14. Juli 2017

Film ab: Bruno Napoli



Der italienische Illustrator Bruno Napoli war vor allem in den späten 1970er und 80er Jahren für die Filmwirtschaft und für Circusunternehmen gleichermaßen aktiv. Seine ansprechenden Entwürfe zeichnen sich durch einen besonders klar konturierten Stil und eine souveräne Beherrschung der maltechnischen Mittel aus. 
Wenn Napoli auch eindeutig der "Italienischen Plakat-Schule" zuzuordnen ist, so wirken viele seiner Arbeiten doch vergleichsweise konstruiert und bei aller dargestellten Bewegung auf eigentümliche Weise statisch. Die Expressivität der meisten seiner italienischen Kollegen erreichte Napoli in der Regel nicht. Die beiden hier vorgestellten Filmplakate zählen dabei zu seinen besten Arbeiten. 

1981

1980

Freitag, 16. Juni 2017

Durchblick


Zeitschriftentitel von Umberto Onorato 1927

Walter Trier 1928
Der durch die „Gardine“ blickende Clown ist ein bis in die Gegenwart immer wieder auftauchendes Motiv auf Programmen, Plakaten, Zeitschriften und Büchern. Insbesondere Walter Triers Illustration für „Fred Colmans“ Buch „Artisten“ von 1928, die hier einmal in der unverfälschten Originalversion gezeigt wird, wurde unzählige Male kopiert oder diente - wie auf dem 1995er Programm des Stuttgarter Varietés "Friedrichsbau" - als Vorlage für mehr oder weniger enge Interpretationen durch andere Grafiker. 

Programm-Magazin Friedrichsbau 1995

Buchtitel 1926

Mittwoch, 22. März 2017

Backstage


Titelillustration von Norman Rockwell 1931

Der Blick in die vermeintliche Gegenwelt hinter den Kulissen übt seit jeher eine besondere Faszination aus und mag – zumindest beim erwachsenen Publikum – oftmals den eigentlichen Anreiz zum Besuch der Circus-Tierschau gegeben haben.
Ein beliebtes Sujet war die Welt hinter der „Gardine“ zudem immer wieder für Künstler und Illustratoren, die entweder die „Exotik“ oder „Romantik“ im Alltagsleben des „Fahrenden Volkes“ wiederzugeben suchten – oder aber den Gegensatz zwischen der Glitzerwelt vor und der nüchternen Alltagswelt hinter dem Vorhang. Diese aufgrund verschiedener Blickwinkel und Voreingenommenheiten resultierende Widersprüchlichkeit der Betrachtungsweisen mindert den Reiz des Backstage-Blickes nicht – im Gegenteil.

Kalenderillustration von Jo de Mers 1948

Walter Georgi, "Jugend" 1902

Stich nach Meyerheim 1899


Mittwoch, 25. Januar 2017

Affentheater


1957

Wenngleich das „Circusleben“ erwiesenermaßen dem physischen und psychischen Befinden vieler „exotischer“ Tierarten weit zuträglicher ist als das reiz-, abwechslungs- und anforderungsarme Leben im Zoo, kann es doch einigen ehedem im Circus weit verbreiteten Arten nicht gerecht werden. An erster Stelle sind hier Menschenaffen zu nennen, die hierzulande fast vollständig aus den Manegen verschwunden sind. Dabei war das Verhältnis zwischen Affe und Mensch im Circus oftmals ein besonders vertrautes und enges. Zudem sind die Vorführungen von Affen eng mit der Geschichte des reisenden Unterhaltungsgewerbes verbunden, wobei es sich allerdings in der Regel nicht um Menschenaffen, sondern um Makaken handelte. Schon die Gaukler der frühen Neuzeit führten häufig die bei ihnen sowie beim Publikum wegen ihrer „Menschenähnlichkeit“ diese so beliebten Tiere mit. Im 19. Jahrhundert schließlich entstanden zahlreiche reisende Affentheater, in denen Makaken verschiedene Kunststücke vorführten und menschliche Tätigkeiten imitierten. Menschenaffen, vor allem Schimpansen, wurden erst im Circus des 20. Jahrhunderts in größerem Umfang gezeigt und bildeten lange Zeit ein verbreitetes Plakatmotiv. 


Urbaniec 1979



Freitag, 20. Januar 2017

Kammerform


Leo Putz: Titelillustration für eine Ausgabe der "Jugend" von 1903

Neben der Raubtierbändigerin, der Kunstreiterin und der Trapezkünstlerin vervollständigt die Seiltänzerin das Quartett weiblicher „Circus-Ikonen“.
Die „Ballerina auf dem Seil“ als eines der archetypischen Bilder des Circus faszinierte zahllose unbekannte und bekannte Künstler bis hin zu Toulouse Lautrec. Die „Kammerform des Seillaufens“, wie sie heute noch in jedem kleinen Familiencircus zu sehen sind, hat ihre Wurzeln auf den Marktplätzen, in kleinen Arenen und den „Seiltänzerbuden“ früherer Jahrmärkte. Männer nutzen das Requisit verstärkt für akrobatische Sprünge, Frauen zelebrieren ihre Kunst zumeist im Wortsinn als Seiltanz, wobei die Wirkung in beiden Fällen im besonderen Maße von der Ausstrahlung der Künstler abhängt.

Henri Thomas, Fantasio 1913

Eduard Bernard, L'Assiette au Beure 1906

Ferdinand von Reznicek, Simplicissimus 1903


Donnerstag, 24. November 2016

Akrobat - schööön!


1971: Charlie Rivels Gastspiel in der Berliner Deutschlandhalle war wenig erfolgreich.

Die nebenstehende Zeichnung Walter Triers zeigt die "Andreus" in Original-Besetzung. Die „Andreu-Rivels“ oder auch „3 Rivels“ zählten über ein halbes Jahrhundert in wechselnden Zusammensetzungen zu den weltweit erfolgreichsten Clown-Trios. Eigentlich waren die Brüder Andreu zunächst in erster Linie Akrobaten, die mit ihrer bis zum Beginn der 1960er Jahre gezeigten Darbietung am fliegenden Trapez erste Erfolge feierten. Um 1920 bildeten sich, inspiriert durch die 3 Fratellinis, die „Andreu-Rivels“ mit René Rivels als Weißclown, Kopf der Truppe und konstante Größe bis ihn 1971 sein Sohn Johnny ersetzte. Charly Rivel, einer der populärsten Clowns des 20. Jahrhunderts, verließ die Truppe 1935, um zunächst mit einem eigenen Trio zu reisen und wenig später eine Solo-Karriere zu beginnen.
1978 gründeten Johnny, Renés Bruder Rogelio (Roger) und Fofo Marquez in Deutschland den Circus „Renee Rivels“, der nach einem tödlichen Unfall Fofos schon nach wenigen Monaten eingestellt wurde. Seitdem existiert kein Rivel-Trio mehr. Der 1896 geborene Charlie Rivel trat zuletzt zwei Jahre vor seinem Tod im Juli 1983 auf, sein 13 Jahre jüngerer Bruder Rogelio starb 2001.

Um 1940 genoss Charlie Rivel in Deutschland enorme Popularität.


Spielfilm mit Charlie Rivel 1967

Im Winter 1973 gastierten die "3 Rivels" mit dem Circus
 "Willy Hagenbeck" im Budapester Circusbau.

Dienstag, 22. November 2016

Engel der Tollkühnheit


Polnisches Circusplakat von Maciej Urbaniec (1964)

Die Trapezartistin, eine weitere Ikone des klassischen Circus, bildet häufig auch in Programmen des „Nouveau Cirque“ ein zentrales Element und hat nichts von ihrer schon viele Künstler inspirierenden Faszination verloren.
Ein ernster Engel der Tollkühnheit war sie mit gelösten Lippen und gespannten Nüstern, eine unnahbare Amazone des Luftraumes unter dem Zeltdach, hoch über der Menge, der vor starrer Andacht die Begierde nach ihr verging.“ (Thomas Mann, Felix Krull)
Das immer wieder mit durch den Raum schwingenden Trapezkünstlerinnen in Verbindung gebrachte „losgelöst-schwebende Engelhafte“ wird nicht zuletzt in Wim Wenders Film „Der Himmel über Berlin“ wunderbar in Szene gesetzt.
Die eigentümliche Ästhetik dieser scheinbar aller Erdenschwere enthobenen Kunstausübung mit ihren unfassbaren Trickfolgen gewinnt ihre besondere Faszination dabei erst angesichts des Muts der Artistinnen und der latenten Gefahr das jähen Absturzes. Tatsächlich blieben Unfälle nicht aus und lieferten Boulevardblättern wie dem italienische Magazin „La Domenica del Corriere“ mit seinen Titelbildern des herausragenden Illustrators Walter Molino reißerische Aufmacher.
Nicht zuletzt üben die Artistinnen, die Körperbeherrschung, Waghalsigkeit und eine selbstbewusst-feminine Ausstrahlung vereinen, eine gewisse erotische Ausstrahlung aus, die Maler und Grafiker, allen voran Felicien Rops, in gefälligerer Weise später aber auch amerikanische Pin Up-Künstler wie Gil Elvgreen, William Fulton Soare, Enoch Bolles oder hier Al Moore einfingen:



La Domenica del Corriere 1957

Polnisches Circusplakat von Witold Janowski (1975)