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Dienstag, 5. Dezember 2017

Sixties



Einige Circusplakate abseits des Mainstreams, der von den späten 1960er bis in die frühen 1990er Jahre in West- und Südeuropa zumeist von italienischen Plakatmalern geprägt wurde, spiegeln grafische Moden und Entwicklungen ihrer Jahrzehnts.
So entspricht die Zeichen- bzw. Malweise des ansprechenden Stey-Plakats aus den späten 1960er Jahren Plakat- und Buchillustrationen der Zeit, insbesondere einem neuen, über viele Jahre weit verbreiteten Stil von Kinderbuchillustrationen.
Das anspruchsvoll gestaltete Programmcover des Circus Rancy ist auch typografisch auf der Höhe seiner Zeit, ebenso wie das Programmheft einer Produktion des „Moskauer Staatscircus“, organisiert durch den Düsseldorfer Veranstalter Helmut Mattner. Die Schrift steht hier im Mittelpunkt, die sexy Girls dienen nur als „schmückendes Beiwerk“.
In Osteuropa entstanden in den 1960er Jahren ambitioniert gemachte Trickfilme, deren ganz eigene Ästhetik sich in vielen Circusplakaten und Programmtiteln widerspiegelt. 






Mittwoch, 29. November 2017

Corporate Identity


Gestaltung und Anordnung der Buchstaben in diesem Schriftzug 
waren ein Markenzeichen des Circus Toni Boltini. 

Typo(grafische) Stilmittel stellen einen bedeutenden Teil der „Corporate Identity“ eines Unternehmens dar. Circusdirektionen versuchen immer wieder, auch durch einprägsame, individuelle Schriftzüge ihrem Unternehmen in der Außenwirkung ein eigenes Gesicht mit Wiedererkennungswert zu verleihen – und tatsächlich verbinden zumindest häufige Circusgänger einige Unternehmen mit typographisch gestalteten Schriftzügen, die über Jahrzehnte Wagen, Fassaden und Drucksachen zierten, so z.B. bei Barum, Benneweis, den „Osnabrücker-Athoffs“ oder Busch Roland. Einen typografisch besonders gelungenen, einprägsamen und zeitlosen Schriftzug verwendete zudem der Circus Krone sporadisch bereits seit den späten 20ern, von den 50ern bis in die 80er Jahre konsequent als Bestandteil eines "Corporate Designs".
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Rene Käsermann verband seine Grafik in origineller Weise mit dem Nock-
Schriftzug und schuf so ein ansprechendes Logo des Schweizer Circus.

Auch das puristische Logo des Circus Flic Flac 
verbindet in gelungener Weise Grafik und Schrift.  

Der ebenfalls sehr einfach gehaltene blau-rote Knie-Schriftzug
 hat einen besonders hohen Wiedererkennungswert.  


Freitag, 27. Oktober 2017

Varieté und Revue - neunter Exkurs



Die „Belle Epoche“, die Jahre um die vorletzte Jahrhundertwende, war eine Blütezeit großstädtischer Vergnügungsetablissements, die durch den ersten Weltkrieg abrupt beendet wurde. Die Grafiken auf Plakaten und Programmen spiegeln den Zeitgeschmack und – bisweilen mit einer gewissen Verspätung – populäre zeitgenössische künstlerische Tendenzen wie um diese Zeit natürlich zuvorderst den Jugendstil. Erst in den 1920 Jahren zeigten sie zumindest in Europa vermehrt ambitionierte Gebrauchsgrafik auf der Höhe der Zeit. 

Amerikanisches Vaudeville-Programm von 1912

Jugendstil in Grafik und Architektur:
Programm des Vaudeville-Theaters Boston 1909

Floraler Jugendstil in Reinform


Donnerstag, 5. Oktober 2017

Heimvorteil


Der Circus Corty Althoff ließ in großem Umfang Souvenir-Postkarten drucken -
darunter einige mit Abbildungen seiner Friedländer-Plakate. 

Grab von Adele Althoff, geb. Corty, im Jahr 2010
Krone in München, Williams bzw. Roncalli in Köln, Sarrasani in Dresden, Blumenfeld in Magdeburg, Busch in Berlin, … – häufig erfreuen sich Circusse in „ihrer“ Stadt besonders großer Beliebtheit. Anfang des 20. Jahrhunderts war das mit dem Circus Corty-Althoff nicht anders: Das in den Jahren vor dem ersten Weltkrieg zu den führenden europäischen Zeltcircussen zählende Unternehmen hatte bis zu seinem inflationsbedingten Ende im Jahr 1927 über ein Vierteljahrhundert sein Winterquartier in Münster, wo es auch in den Wintermonaten oder zu Saisonbeginn seine aktuellen Programme in der "Circus-Varieté Festhalle" an der Steinfurter Straße, einem massiven Kuppelbau mit einladendem Eingangs- und Restaurationsvorbau, präsentierte.
Auf dem Münsteraner Zentralfriedhof findet sich noch das leider dem Verfall anheim gegebene Grab von Adele Althoff (1840-1909), einer Enkelin des bedeutenden französischen Circusprinzipals Louis Dejean. Adele Althoff leitete das Unternehmen nach dem Tod ihres Gatten Dominik Althoff (1841-1887) bis zu Übergabe an ihren Sohn Pierre (1869-1924), der den „Monstre-Zelt-Circus“ mit Stammsitz in Münster zu seiner größten Blüte und internationalem Renommee führte. Pierre heiratete Adele Rossi (1867-1930), die einer alten italienischen Artistenfamilie entstammte und im Circus Corty-Althoff neben ihrem Gatten exquisite Pferdefreiheiten präsentierte. 


Diese und weitere Bildpostkarten wurden eigens von Oskar Merté* für Corty-Althoff gemalt.


* siehe Post "Zubrot"

Dienstag, 19. September 2017

"Glück muss man haben


Eines der Barum-Plakate von Kurt Steinel

und in einen feinen Circus kommen“
Tatsächlich leitete Margarete Kreiser-Barum nicht einen der ganz großen Circusse der Nachkriegszeit, wohl aber bemühte sich die kunstsinnige, einem luxuriösen Lebensstil verpflichtete Prinzipalin und Tierfreundin über Jahre hinweg um besonders geschmackvoll in Szene gesetzte Programme – insbesondere ihrer eigenen Tiernummern.
In diesen Rahmen passt es, dass der Circus um das Jahr 1960 mit vier eigens gestalteten Plakaten des bekannten Grafikers Kurt Steinel warb, die durch ihre künstlerische Qualität deutlich unter der damaligen Circuswerbung hierzulande hervorstachen.
Kurt Steinel hatte wie so viele bildende Künstler ein großes Faible für den Circus, der immer wieder Thema seiner Arbeiten war:

Farblitographie "Die große Dressur" von 1972

Die Nummernfolge in einen Programm  der frühen 1960er Jahre wurde ebenfalls von Kurt Steinel illustriert. 



Dienstag, 1. August 2017

Les Francescos



Die Brüder Enrico (1912-1983), Ernesto (1917-1994) und Francesco (1922-2004) Caroli zählten zu den weltbesten Kunstreitern. Nach dem Krieg trat zunehmend ihre bisherige „Zweitnummer“ in den Vordergrund. Die drei Brüder stiegen rasch in die Riege der besten Clowntrios auf und ihre Konterfeis schmückten über Jahrzehnte Plakate und Programmcover der bedeutendsten Circusse Europas.
Francesco war in seiner Rolle als klassischer Weißclown in den 1990er Jahren noch einmal im Circus Roncalli zu bewundern. 


1949

Freitag, 14. Juli 2017

Film ab: Bruno Napoli



Der italienische Illustrator Bruno Napoli war vor allem in den späten 1970er und 80er Jahren für die Filmwirtschaft und für Circusunternehmen gleichermaßen aktiv. Seine ansprechenden Entwürfe zeichnen sich durch einen besonders klar konturierten Stil und eine souveräne Beherrschung der maltechnischen Mittel aus. 
Wenn Napoli auch eindeutig der "Italienischen Plakat-Schule" zuzuordnen ist, so wirken viele seiner Arbeiten doch vergleichsweise konstruiert und bei aller dargestellten Bewegung auf eigentümliche Weise statisch. Die Expressivität der meisten seiner italienischen Kollegen erreichte Napoli in der Regel nicht. Die beiden hier vorgestellten Filmplakate zählen dabei zu seinen besten Arbeiten. 

1981

1980

Freitag, 16. Juni 2017

Durchblick


Zeitschriftentitel von Umberto Onorato 1927

Walter Trier 1928
Der durch die „Gardine“ blickende Clown ist ein bis in die Gegenwart immer wieder auftauchendes Motiv auf Programmen, Plakaten, Zeitschriften und Büchern. Insbesondere Walter Triers Illustration für „Fred Colmans“ Buch „Artisten“ von 1928, die hier einmal in der unverfälschten Originalversion gezeigt wird, wurde unzählige Male kopiert oder diente - wie auf dem 1995er Programm des Stuttgarter Varietés "Friedrichsbau" - als Vorlage für mehr oder weniger enge Interpretationen durch andere Grafiker. 

Programm-Magazin Friedrichsbau 1995

Buchtitel 1926

Mittwoch, 22. März 2017

Backstage


Titelillustration von Norman Rockwell 1931

Der Blick in die vermeintliche Gegenwelt hinter den Kulissen übt seit jeher eine besondere Faszination aus und mag – zumindest beim erwachsenen Publikum – oftmals den eigentlichen Anreiz zum Besuch der Circus-Tierschau gegeben haben.
Ein beliebtes Sujet war die Welt hinter der „Gardine“ zudem immer wieder für Künstler und Illustratoren, die entweder die „Exotik“ oder „Romantik“ im Alltagsleben des „Fahrenden Volkes“ wiederzugeben suchten – oder aber den Gegensatz zwischen der Glitzerwelt vor und der nüchternen Alltagswelt hinter dem Vorhang. Diese aufgrund verschiedener Blickwinkel und Voreingenommenheiten resultierende Widersprüchlichkeit der Betrachtungsweisen mindert den Reiz des Backstage-Blickes nicht – im Gegenteil.

Kalenderillustration von Jo de Mers 1948

Walter Georgi, "Jugend" 1902

Stich nach Meyerheim 1899


Mittwoch, 25. Januar 2017

Affentheater


1957

Wenngleich das „Circusleben“ erwiesenermaßen dem physischen und psychischen Befinden vieler „exotischer“ Tierarten weit zuträglicher ist als das reiz-, abwechslungs- und anforderungsarme Leben im Zoo, kann es doch einigen ehedem im Circus weit verbreiteten Arten nicht gerecht werden. An erster Stelle sind hier Menschenaffen zu nennen, die hierzulande fast vollständig aus den Manegen verschwunden sind. Dabei war das Verhältnis zwischen Affe und Mensch im Circus oftmals ein besonders vertrautes und enges. Zudem sind die Vorführungen von Affen eng mit der Geschichte des reisenden Unterhaltungsgewerbes verbunden, wobei es sich allerdings in der Regel nicht um Menschenaffen, sondern um Makaken handelte. Schon die Gaukler der frühen Neuzeit führten häufig die bei ihnen sowie beim Publikum wegen ihrer „Menschenähnlichkeit“ diese so beliebten Tiere mit. Im 19. Jahrhundert schließlich entstanden zahlreiche reisende Affentheater, in denen Makaken verschiedene Kunststücke vorführten und menschliche Tätigkeiten imitierten. Menschenaffen, vor allem Schimpansen, wurden erst im Circus des 20. Jahrhunderts in größerem Umfang gezeigt und bildeten lange Zeit ein verbreitetes Plakatmotiv. 


Urbaniec 1979