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Dienstag, 21. Juni 2016

Schriftliches



Das Programm des dänischen Circus „Arli“ zeigt eine typische, bis in die Gegenwart immer wieder gern verwendete „Circus-Typografie“.
Diese Schrift schafft zwar wie kaum eine andere einen Bezug zum Sujet – durch ihre weite Verbreitung eignet sie sich jedoch wenig als Teil eines „corporate designs“.
Viele Circusse nutzten und nutzen hingegen individuelle, einprägsame und auffällige Schriftzüge als Erkennungszeichen auf Druckwerbung, Fassaden und Wagenpark. Diese grafisch gestalteten Schriftzüge spiegeln oftmals den Zeitgeschmack und weisen in den besten Fällen zudem einen ausgeprägt „circensischen“ Charakter auf.
Vor allem bei der Gestaltung von Programmcovern wagten sich einige Grafiker daran, spielerisch und weitgehend ohne Rücksichtnahme auf funktionale Beschränkungen die Schrift in den Vordergrund zu stellen.
Während der amerikanische Ausstellungsführer aus den frühen 70ern eine interessante Verbindung von typografischen und bildnerischen Elementen aufweist, steht auf dem wegen seines Zeitkolorits interessanten Cover einer Produktion des „Moskauer Staatszirkus“ durch den Düsseldorfer Veranstalter Helmut Mattner aus den späten 1960ern die zeittypische Schrift im Mittelpunkt – die sexy Mädchen sind nur Beiwerk.
Auf dem ausgezeichnet gestalteten Programmtitel des Circus Aeros von 1967 dient die Schrift schließlich fast als alleiniges Gestaltungsmittel. Die Arbeit stammt von dem hervorragenden Gebrauchsgrafiker Christoph Ehbets, der u.a. zahlreiche Cover für das DDR-Plattenlabel „Eterna“ schuf.







Freitag, 27. Mai 2016

Zweitverwertung



Auf Circusplakaten und öfter noch auf Programmen sind mitunter Bilder zu sehen, die in anderen Zusammenhängen entstanden. Ein verbreitetes Beispiel hierfür stellt eine Illustration Walter Triers aus dem mit „Fred A. Colman“ (Helmut Jaro Jaretzki) erstellten Buch „Artisten“ von 1928 dar. Triers durch die „Gardine“ schauender Clown wurde unzählige Male kopiert, variiert und „interpretiert“, darunter für Circusprgramme wie hier beim Cirkus Miehe im Jahr 1953.
Die schöne Grafik auf der Werbeannonce der amerikanischen Budweiser-Brauerei aus den 1940er Jahren findet sich ebenfalls auf Circusprogrammen der Zeit, wobei ihr ursprünglicher Verwendungszweck unklar ist.
Das Programm des 27sten "Festival Mondial Du Cirque De Demain" von 2006 schmückt ein vor dem ersten Weltkrieg entstandenes Plakatmotiv des Karikaturisten und Buchillustrators Fritz Wolff für das Berliner Wintergarten-Varieté. Wolffs im wahrsten Sinne heiteres Motiv mit dem ursprünglichen Titel "Größte Heiterkeit im Winter-Garten" fand aus gutem Grund vielfach Verwendung in der Unterhaltungsbranche. 
Ein Beispiel für die Verwendung von Circusplakat-Entwürfen für andere Zwecke stellt schließlich das Plakat für eine Produktion von Franz Lehars Operette „Die lustige Witwe“ der Brüsseler Oper aus dem Jahr 1986 dar, auf dem ein altes französisches Plakat-Motiv von Toni Bernat abgebildet ist. 







Freitag, 1. April 2016

Stars in der Manege


Der berühmte Operettensänger Luis Mariano war in den Jahren 
1957 und 59 mit dem französischen Circus Pinder auf Tournee.  

Die Anziehungskraft Prominenter nutzen und nutzten Circusse mit wechselndem Erfolg, um Publikum anzulocken. Waren es zunächst bekannte Namen von Bühne, Film und Rundfunk, die zeitweise und nicht immer auf den Höhepunkten ihrer Karrieren reklameträchtig auf Circusplakaten auftauchten, so versuchen einige Circusdirektoren seit den 1960er Jahren bisweilen mit bekannten Gesichtern aus dem Fernsehen zu werben - dem für den Zuschauerschwund lange Zeit verantwortlichen Medium. Im Circus Franz Althoff veranstaltete beispielsweise der populäre Quizmaster Lou van Burg in den Jahren 1966 und 67 Quiz-Einlagen während der Programme in einigen Städten; Carl Althoff präsentierte 1980 mit Karl Kossmayer in den Niederlanden kurzzeitig den Circus „Sjoujke Dijkstra“, benannt nach der in Holland überaus beliebten Ehefrau Kossmayers, die in den 1960er Jahren Europa- und Weltmeisterin sowie Olympiasiegerin im Eiskunstlaufen war.
Langlebig und sehr erfolgreich war hingegen nicht zuletzt aufgrund der werbewirksam herausgestellten Fernseh-Prominenz der zunächst als Circus „Safari“ firmierende Circus Barum des „als Jens Claasen vom Fernsehen bekannten “ „Fernseh-Star-Dompteurs“ Gerd Siemoneit.

Der Kabarettist und Parodist Werner Kroll, „bekannt von 
Film und Rundfunk“, trat 1961 im Circus Roland auf.  

1970

Sonntag, 14. Februar 2016

Insider


Pipo Sosman jun.

Rolf Knie jun., Bruder von Fredy Knie jun., dem künstlerischen Direktors des Schweizer Circus Knie, wuchs im elterlichen Unternehmen auf, wo er den mit der Familie eng verbundenen Künstler Hans Falk kennen lernte. Die Malerei entwickelte sich zunehmend zur zentralen Profession von Rolf Knie, der Mitte der 1980er den Circus verließ, der Circuswelt aber immer verbunden blieb und seit einigen Jahren die Show „Salto Natale“ produziert. Durch seine bereits in jungen Jahren begonnene leidenschaftliche Arbeit als Clown kam Knie zudem zur Schauspielerei und er arbeitete zwischenzeitlich als Bühnen- und Filmschauspieler.
Die Circuswelt blieb immer ein großes Thema seiner Arbeiten – und natürlich gestaltete er auch Plakate für DEN Circus Knie:





Samstag, 6. Februar 2016

Bulls Tiger



Auf obigem Titelbild einer Ausgabe der "Saturday Evening Post" von Stevan Dohanos aus dem Jahr 1945 verkleben Mitglieder einer Reklamekolonne eines der wohl bekanntesten und am häufigsten kopierten Circusplakate aller Zeiten.
Das Original schuf Charles Livingston Bull 1915 für den Ringling Bros. Circus. 
Bis in unsere Tage sind Versionen des angreifenden Tigers auf Circusplakaten und -programmen abgebildet, die nachfolgende ziert ein Programmheft des Carson & Barnes Circus von 1936. Die wilde Bestie schaffte sogar den Sprung in die große Kunst: Einer der Tiger auf Salvadore Dalis Bild „Traum, verursacht durch den Flug einer Biene um einen Granatapfel, eine Sekunde vor dem Aufwachen“ von 1944 hatte offensichtlich Bulls Original zum Vorbild. 



um 1977



Dienstag, 26. Januar 2016

Pierre Etaix



Pierre Etaix, Jahrgang 1928, werden viele Menschen in erster Linie als Filmemacher und Schauspieler kennen. Dabei war Etaix im Herzen immer ein Clown - und tatsächlich trat er schon vor und später auch während seiner Karriere im Filmgeschäft als Bühnen- und Circusclown auf. 1969 heiratete er die Clownin Annie Fratellini, Enkelin Paul Fratellinis vom weltberühmten Fratellini-Trio. Pierre Etaix und Annie Fratellini waren ungefähr ein Jahrzehnt lang als Clown-Duo aktiv.
Auch seine zeichnerische Profession übte der gelernte Grafiker Etaix zeitlebens aus, u.a. arbeitete er wie fast alle bedeutenden Zeichner Frankreichs in jungen Jahren für das Journal „Le Rire“. Seine abgebildeten Programmtitel stammen aus der Zeit um 1990.





Samstag, 12. Dezember 2015

August


Fellini thematisierte bereits 1970 in seinem Film „I Clowns“ 
das Ende der klassischen Circusclownerie. 
Diesem italienischen Circusplakat liegt ein Szenenbild aus
 dem Film zugrunde.

Im liebenswert naiven, tollpatschigen, lustbetonten und nicht selten anarchischen „August“ lebt der Typus der uralten, in unterschiedlichsten Ausformungen in vielen Kulturen zu findenden und zumeist durch reisende Unterhaltungskünstler verkörperten komischen Figur fort. Doch auch wenn seine Wurzeln weit zurückreichen, der „August“ an sich - für viele Menschen die typische Erscheinungsweise des Circusclowns - geht unter dieser Bezeichnung gerade einmal auf das späte 19. Jahrhundert zurück.
Heute scheint der klassische August vorwiegend als nostalgische Reminiszenz an goldene Circuszeiten oder schlimmstenfalls als minder begabter Kinderbelustiger bestehen zu können, und nur noch wenige wirkliche Meister ihres Fachs sind noch in den Manegen zu erleben. Eine wirkliche Lücke hinterlässt der „dumme August“ aber nicht, in seine großen Fußstapfen treten neue Spaßmacher, die den Typus der letztlich zeitlosen „komischen Figur“ mit all ihren Facetten bruchlos fortleben lassen. 

Janus Oblucki 1987

Andrzej Pagowski 1983

Samstag, 21. November 2015

Der Circus tanzt


1964

Traditionell haben bestimmte Darbietungen im Circus eine tänzerische Ausrichtung, allen voran der Seiltanz oder die „Ballerina zu Pferd“.
Darüber hinaus verfügt die akrobatische Kunstausübung oftmals generell über eine ausgeprägte tänzerische Dimension, nicht wenige Artisten haben eine Ballettausbildung und bauen tänzerische Elemente in ihre Darbietungen ein. Im Idealfall verschmelzen Tanz und Akrobatik zu faszinierender Körperkunst.
Ballett spielt im Circus naheliegenderweise dort eine große Rolle, wo in besonderem Maße Revue-Elemente in die Programmgestaltung einfließen.
Ballettdarbietungen, wie sie für Revuen typisch sind, finden dabei trotz der Schnittmengen beider Unterhaltungsformen und ihres Publikums nicht mehr durchgehend Gefallen, zumal Choreografien und Arrangements mitunter auf dem Stand der 1980er Jahre stehen geblieben sind und die Möglichkeiten in einem Circuszelt außerdem starke Beschränkungen erfahren. 

Sandor Benkö 1979



Montag, 26. Oktober 2015

American Way of Clown


Programmcover 1931

Mit dem amerikanischem Drei-Manegen-Circus entwickelten sich auf Grundlage europäischer Traditionen neue Ausformungen des Clowns, die den weiten Dimensionen amerikanischer Chapiteaus ebenso entsprachen wie dem besonderen Geschmack des Publikums in den Vereinigten Staaten. Hier unterhielten i.d.R. nicht Trios mit klassischen Entrees oder Solisten mit kleinen Reprisen das Publikum, sondern oftmals wahre Heerscharen exzentrischer, grell geschminkter Spaßmacher mit zumeist lauter, rasanter und effektbetonter Brachialkomik, die in ihren besten Fällen durchaus anarchische Züge aufwies. Clowneske Talente hatten es unter diesen Bedingungen schwer, sich zu Stars wie Lou Jacobs, Harry Dann oder Paul Jung zu entwickeln. Einige der Besten, zuvorderst Otto Griebling und Emmett Kelly, zählten zu einer besonderen Gestalt innerhalb der typisch amerikanischen Clown-Typologie, die sich durch ihr Auftreten in vielerlei Hinsicht von den Kollegen unterschied - dem stillen, nie lachenden abgerissenen Typ, der sein Vorbild in der Gestalt des „Hobo“ hatte.

Cover einer Illustrierten aus dem Jahr 1955 von Walter Bomar,
der auch zahlreiche Programme von "RBBB" gestaltete.

"Clown Faces" - Ilustration im RBBB-Programm von 1960,
 im Zentrum Otto Griebling.

Dienstag, 13. Oktober 2015

"Gesamtkunstwerk"



Es kam bisweilen vor, dass Grafiker nicht nur die Umschlag-, sondern auch die Innenseiten von Programmen gestalteten. So illustrierte Oscar Knudsen zum Beispiel die Nummernfolgen auf den Centerfolds einiger Programmhefte. Der bekannte österreichische Gebrauchsgrafiker bzw. Plakatkünstler Bernd Steiner (1884-1933), entwarf Mitte der 1920er Jahre für den im Circusgebäude im Wiener Prater gastierenden Circus „Carl Hagenbeck“ sogar das komplette 16seitige Programmheft einschließlich der Werbeannoncen.